
Das letzte Feuer der Eisigen Orgeln
Ein Ort · Band 1
„Manche Feuer brennen nicht mehr — aber sie vergessen nicht, wie es war.“
Die Eisigen Orgeln waren niemals wirklich eisig. Der Name kam von dem Wind, der durch die Säulen pfiff, wenn der Herbst über das Land strich — ein Ton so klar und kalt, dass die Wanderer fröstelten, auch wenn die Sonne schien.
Es heißt, ein letztes Feuer habe in den Tiefen der Orgeln gebrannt. Nicht ein gewöhnliches Feuer aus Holz und Harz, sondern eines, das aus dem Fels selbst gespeist wurde. Es hatte bernsteinfarbene Zungen und warf Schatten an die Wände, die wie tanzende Drachen aussahen.
Die Alten erzählten, dass ein Feuerträger und ein Wurzelträger es gemeinsam entfacht hätten. Ihre Namen waren inzwischen vergessen, nur ihre Taten nicht. Denn seit diesem Tag atmeten die Orgeln anders. Wer still genug war, hörte ein leises Summen im Stein — wie eine Erinnerung, die nicht loslassen wollte.
Heute kommen nur wenige herauf. Die Säulen stehen einsam und schweigsam, und das Feuer ist lange erloschen. Doch manchmal, wenn der Mond voll ist und der Wind aus dem Norden weht, glühen die obersten Kanten der Felsen schwach. Die Jungen aus Borkenhag nennen das einen Streich des Lichts. Die Alten nicken nur und sagen nichts.