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Dorfplatz von Borkenhag im warmen Abendlicht — der Ort, an dem Thorwald zum ersten Mal die Stille eines Dorfes spürte, das ihn noch nicht kannte.
Figur· ThorwaldBand 1

Thorwalds erster Tag in Borkenhag

Eine Figur · Band 1

Manche Orte nehmen dich auf, bevor du weißt, dass du angekommen bist.

Thorwald war noch keine Stunde in Borkenhag, als er bemerkte, dass das Wasser hier anders roch. Nicht schlecht — nur anders. Nach Moos, nach feuchtem Stein, nach dem leisen Rauch, der aus den Schornsteinen der Häuser kroch und sich in den Zweigen der alten Eiche verfing.

Sein Onkel hatte ihm den Koffer in die Hand gedrückt, den krummen Henkel repariert und nichts gesagt. Männer in Borkenhag sagten oft nichts, wenn Worte das Gewicht einer Sache verkleinern würden. Thorwald verstand das erst später.

Die Schenke roch nach Brot und Bier. Ein Wirt mit freundlichen Augen und einer Flasche an der Hüfte wies ihm ein Zimmer zu, das nach Lavendel und altem Holz roch. An der Wand hing ein Bild der Eichenwacht, und Thorwald starrte es lange an, bevor er einschlief. Er träumte von einem Baum, in dessen Rinde ein Auge auftat.

Am nächsten Morgen stand er früh auf und ging zum Brunnen. Das Wasser war kalt, kälter als in Silberlig, und es schmeckte nach Erz. Ein alter Mann nickte ihm zu, als hätte er Thorwald schon immer erwartet. So nahm Borkenhag ihn auf — ohne Fragen, ohne Eile. Nur mit dem leisen Versprechen, dass hier etwas beginnen würde, das er noch nicht benennen konnte.